Nur eine weitere Jugendschelte oder doch mehr? Ich bekenne mich schuldig: ich habe kein klares Feindbild ... ich bin weder gegen noch für den Liberalismus, halte einen funktionierenden Sozialismus für ungefähr so wahrscheinlich wie eine funktionierende freie Marktwirtschaft, lebe in einer relativen Demokratie und fühle mich relativ frei. Kurz: Eine Vision für die Gesellschaft habe ich nicht, eine Rebellion ohne Vision halte ich für sinnlos.
Ist das ein Problem? Generationen vor mir hatten Visionen oder glaubten Visionen zu haben ... viele sind mehr oder weniger spektakulär gescheitert. Hat die Rebellion der jungen 68er irgendetwas bewirkt? Wenn ja, warum brauchen 40 Jahre später noch (oder wieder) Rebellion? ... wenn nein warum haben dann eben diese inzwischen alten 68er (sofern sie denn wirklich eine so homogene Generation waren) ihre Kinder zur Nichtrebellion erzogen?
Der Artikel reizt mich zum Widerspruch ebenso wie zur Zustimmung, denn ja! es gibt die Jugendlichen und die Studenten deren Ziel es ist zum Hai im Haifischbecken zu werden, ohne interesse an Politik und Gesellschaft. Aber unsere (meine) Generation ist nicht Homogen! Ich fühle mich weder als Goldfisch noch als Hai. Ich betrachte mich als politisch interessiert, wenn auch nicht politisch aktiv. Warum nicht? Ich sehe die Probleme, kenne aber keine Antworten.
Die entstehenden und feststehenden Lebensentwürfe meines Umfeldes könnten unterschiedlicher kaum sein ... Informatiker, Lehrer, Betriebswirte, Techniker, Musiker, Juristen, Forscher, potenzielle Langzeitstundenten, Banker, Sozialarbeiter ... und tatsächlich auch noch Jugendliche die sich den Luxus eines unfetigen Lebensentwurfes leisten! Also, das die Jugend Flächendeckend vor dem Druck der Leistungsgesellschaft kapituliert sehe ich nicht.
Wie würde der Autor wohl meinen Versuch beurteilen, gleichzeitig zu studieren und zu arbeiten ... eines ist sicher: Zeit für eine Rebellion bleibt mir dabei nicht. Ist meine Selbstwahrnehmung, das ich dieses Abenteuer für mich wage Augenwischerei und ist es vielmehr meine Kapitulation vor der Leistungsgesellschaft ... nicht mit dem Ziel ein Hai zu werden, sondern ein besonders schneller Goldfisch zu sein? Ich könnte viel mehr schreiben, aber mir fehlt die Zeit. Was ist also das Fazit? Sicher ist für mich nur, das die Jugend nicht Homogen ist. Sie ist (wir sind?) mit vielen Problemen konfrontiert ... vielleicht ist unsere Revolution, das wir nichteinmal behaupten eine Lösung zu haben. Unspektakulär aber vielleicht eine Chance für die nächste Jugend!