Dienstag, 8. September 2015

Struktur höherer Bildungsabschlüsse in Deutschland und UK

Fefe hat festgestellt, dass die Briten neidisch auf das deutsche Universitätssystem sind und in diesem Zusammenhang die Frage nach einem Vergleich der höheren Bildungsabschlüsse in zwischen Deutschland und UK aufgeworfen ... Challenge accepted! Ich versuche mich nach langer Zeit mal wieder ein wenig an deskriptiver Statistik.
Grundsätzlich ist die Frage natürlich nicht so einfach zu beantworten, vor allem da sich auch im Jahre 16 nach Bologna eine Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen noch nicht wirklich einstellen mag. Dennoch sind zumindestens Tendenzen aus offen zugänglichen Quellen recht deutlich zu erkennen.
Der OECD Bericht Education At a Glance von 2012 (basierend auf Daten von 2010) weist für UK eine Quote von 15% Abschlüssen in weniger als 3 Jahren (also unter Bachelor Level) aus. Diese ist ist ziemlich genau doppelt so hoch wie der OECD Durchschnitt in dieser Kategorie, für Deutschland sind Abschlüsse dieser Kategorie nicht erfasst (Anmerkung: a in der Tabelle steht für "Not applicable).
Hier findet sich also schon ein Hinweis, dass in UK ein großer Anteil von Studenten ihre Abschlüsse in kürzer laufenden Studiengängen machen, insgesamt liegt machen Bachelor Abschlüsse und Abschlüsse in weniger als 3 Jahren über 50% aus. Ansonsten sind die Daten von UK und Deutschland in dieser Statistik nur schwer vergleichbar, da die beinahe 75% Abschlüsse in Deutschland, die nicht dem Bologna-Strukturen entsprechen nicht weiter aufgeschlüsselt werden.
Aktuellere und besser vergleichbare Daten finden sich im eurostat Datensatz educ_uoe_grad01. Hier werden Bildungsabschlüsse unabhängig von den Bologna-Strukturen anhand der ISCED11 Levels verglichen. Im aktuellen Kontext sind hierbei die Level 5-8 relevant, die im Folgenden kurz erläutert sind:

  • Level 5: Stark praxisorientierte und spezialisierte Ausbildungen, in der Regel mit einer Dauer von weniger als 3 Jahren. Beispiele in Deutschland hierfür sind eher Mangelware, ggf. einige spezielle Formen von dualer Ausbildung mit Besuch einer Fachakadamie (der Bachelor der Berufsakadamie fiele in der Tendenz schon eher ins Level 6)
  • Level 6: Bachelor oder Äquivalent, mindestens teilweise akademisch orientierte Ausbildung mit theoretischen und ggf. praktischen Anteilen, die zu einem ersten akademischen Abschluss führt. Beispiel in Deutschland ist natürlich der Bologna Bachelor.
  • Level 7: Master oder Äquivalent, akademisch orientierte Ausbildung mit vornehmlich theoretischen Anteilen, die zu einem erweiterten akademischen Abschluss führt. Beispiel in Deutschland ist natürlich der Bologna Master, aber auch das Diplom
  • Level 8: PhD oder Äquivalent, akadamische Ausbildung mit Fokus auf eigener Forschung. Beispiel in Deutschland ist der Doktor.
Aus dem eurostat Datensatz lässt sich für 2013 die folgende Verteilung von Abschlüssen für Deutschland und UK ziehen. Die Anteile beziehen sich dabei jeweils auf die Gesamtzahl der Abschlüsse, unabhängig von Alter, Geschlecht, etc., also auf pro Land unterschiedliche Grundgesamtheiten.
Es ergibt sich ein ähnliches Bild wie im OECD Bereicht von 2012: höhere Bildungsabschlüsse mit weniger als 3 Jahren Studienzeit sind in Deutschland zu vernachlässigen, machen in UK jedoch ca. 15% aller Abschlüsse aus. Der Anteil der Bachelor, Master und PhD oder äquivalenter Abschlüsse ist ein Deutschland jeweils höher als der Anteil entsprechender Abschlüsse in UK. Eine Interessante Randnotiz: die Absolute Anzahl der Absolventen Bachelor und Master ist in UK höher als in Deutschand. Die absolute Anzahl der PhD und äquivalenten Abschlüsse ist dagegen in Deutschland höher (Deutschland 27707, UK 25896).

Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Zunächst einmal: ja, die Studiengänge mit schnellen Abschlüssen sind in UK verbreiteter. Natürlich können hohe Studienkosten ein erklärender Faktor sein, es fallen jedoch auch andere ins Auge. Vor allem könnte das fehlen kurzer, praktisch orientierter Studienabschlüsse in Deutschland durch das hoch anerkannte System der dualen Berufsausbildung erklärt sein, die solche Studiengänge überflüssig macht. Ein vergleichbares System existiert in England de-facto nicht, ein Studienabschluss ist Berufsqualifikation. Dieses Ausbildungssystem wird von ISCED als Level 4 und damit nicht als höherer Bildungsabschluss erfasst, hat jedoch gemäß eurstat Datensatz 2013 in Deutschland ähnlich viele Absolventen wie Bachelor (Level 6). In England wird der Level 4 im eurostat Datensatz als "not applicable" geführt. Bezieht man ihn (mit Anzahl 0 für UK) in die Verteilung der Abschlüsse mit ein, so ergibt sich folgendes Bild:

Der Anteil der Abschlüsse mit kurzer Studienzeit in UK wird durch die Ausbildungsabschlüsse in Deutschland mehr als aufgewogen, in UK gibt es insgesamt wesentlich mehr Studienabschlüsse. Aber es bleibt dabei: die Lücke wird kleiner mit zunehmender Dauer der Abschlüsse: haben Bachelorabschlüsse (oder Äquivalente) in UK noch einen Anteil von 50% gegenüber nicht einmal 40% in Deutschland, ist der Anteil der Masterabschlüsse (oder Äquivalente) schon nahezu näher beieinander (kanpp 25% in Deutschland gegenüber knapp 30% in UK) und der Anteil von PhD oder Äquivalent an der Gesamtzahl der Abschlüsse ist praktisch gleichauf (3,74% in Deutschland, 3,27% in UK).Es bleibt also dabei: Studienabschlüsse mit kurzer Studienzeit sind in England populärer als in Deutschland, hier könnten Studiengebühren eine entscheidende Rolle spielen. Dennoch bleiben Zweifel: Der vergleichsweise hohe Anteil der nach dem Bachelor weiter studierenden in Deutschland könnte mit der (aufgrund das "nachhallenden" Diploms) vergleichsweise geringeren Akzeptanz des Abschlusses Bachelor in Deutschland zusammenhängen ... oder anderen Faktoren. Ideen für eine genauere Untersuchung der Frage:

  • Wie gut sind Job und Karriereaussichten mit den jeweiligen Abschlüssen und Deutschland und UK? Wird in UK der Master vielleicht weniger benötigt?
  • Wie ist die Verteilung nach Studienfächern? Sind in Deutschland Fächer mit "Zwang" zum Master oder gar PhD verbreiteter (hängt potentiell mit dem ersten Punkt zusammen)
  • Wie Abhängig sind Abschluss (und ggf. Studienfach) von Elternhaus? Das ist vielleicht der beste Ansatz um festzustellen, ob hier prohibitiv hohe Studiengebühren am Werk sind: hängt der Abschluss vom Einkommen der Eltern ab?



 


Donnerstag, 29. September 2011

Politische Frage des Tages: Spekulation und Wachstum

Müssen sich der Finanzsektor (über eine Steuer auf Spekulationsgeschäfte) an den Folgen der Finanz-, Wirtschafts- und Währungskrise beteiligen? Ist das tatsächlich moralisch Geboten? Es sieht so aus, das Banken sich erst von Staaten retten ließen und jetzt gegen eben diese wetten, sich selbst dadurch sanieren und die Staaten damit in den Ruin treiben. Das ist offensichtlich unmoralisch. Andereseits: mir fällt kein Politiker (nicht mal ein Linker) ein, der nicht ständiges Wachstum fordert. Wenn man diesem Postulat allerdings folgt muss man dann nicht davon ausgehen das (da eine stetige Steigerung des realen Bedarfs und des realen Geldes unrealistisch ist) Spekulation eigentlich absolut notwendig ist?

Politische Frage des Tages: Basisdemokratie in der SPD

Die SPD macht auf Basisdemokratisch! zukünftig soll die Parteibasis bei allem mitreden dürfen und sogar nicht-Mitglieder dürfen sich in Inhaltliche (aber wohl nicht in Personalfragen) einmischen. Ist das ein ernstgemeintes Experiment oder nur der taktische Versuch mit der Piratenpartei assoziiert zu werden? Noch sind kaum Details zu finden (insbesondere nicht über mögliche Medien ... Internet?) Geht es nur um das Parteiprogramm oder kann man auch unmittelbar auf die Fraktion im Bundestag einfluss nehmen? Stichwort Liquid Democracy: statt die SPD einmal zu wählen und dann mit ihrem Abstimmungsverhalten leben zu müssen könnte (ausreichend große Beteiligung voraussgesetzt) die Parteibasis ihre Abgeordnete auffordern (wie verbindlich kann das nach unserer Verfassung sein?) bestimmte Initiativen zu unterstützen, bestimmte Vorschläge einzubringen, evtl. dass Abstimmungsverhalten beeinflussen. Spannende Perspektive, jetzt kommt aber wieder der Pessimist: würden sich ausreichend Leute beteiligen um so tatsächlich zu Mehrheitsentscheidungen zu kommen? Oder käme man so zur Diktatur einer politisch interessierten Minderheit?


Dienstag, 27. September 2011

Politische Frage des Tages: Griechenland und Euro

Warum geht es Griechenland so mies? Vordergründig ist klar, das Land hat nie die Stabilitätskriterien für den Euro erfüllt. Dementsprechend hätten sie nie aufgenommen werden dürfen und es ginge ihnen vermutlich besser, wenn sie "einfach" ihre Währung abwerten könnten obwohl das natürlich auch negative Auswirkungen hat. Andererseits: Genauso wie Europa die dritte Welt durch Schutzzölle und oft nicht sinnvoll eingesetzte Entwicklungshilfe schadet hat insbesondere Deutschland durch langfristige Lohnzurückhaltung, Senkung der Lohnnebenkosten und Unternehmenssteuern sowie diverser andere Maßnahmen zur Förderund des Arbeitsmarktes eine Produktivität erreicht, bei der nahezu kein zweites Land in Europa mithalten kann. Würde ein Solidaritätszuschlag, finanziert aus höheren Bruttolöhnen einen Ausgleich schaffen?


Sonntag, 25. September 2011

Politische Frage des Tages: Agrarsubventionen

Welchen Sinn machen Agrarsubventionen? Einerseit machen sie Europa als Absatzmarkt für Agrarländer kaputt, andererseits ermöglichen sie in Europa Bauern die Existenzt. Das könnte man als Investition in das Recht auf freie Berufswahl interpretieren. Darüber hinaus: Gerade explodieren (vor allem in Afrika) die Preise für Nahrungsmittel, insbesondere für Pflanzen und Getreidesorten aus denen man auch Biokraftstoffe gewinnen kann. Könnte man Subventionen als Steuerungsmittel benutzen, um gezielt zu verhindern, Nahrungsmitteltaugliches Getreide auf dem spekulativen Markt verkauft wird und dann als Biosprit (den sowieso keiner will) endet? Oder fördern subventionen sogar spekulation, weil der Bauer über Subventionen abgesichert ist und sich über Spekulation hohe Gewinne erhofft, während er ohne Subventionen lieber zu konstant niedrigeren  nicht spekulativen Preisen verkaufen würde? Gegen Agrarsubventionen spricht das missbrauchpotential: RWE und Bayer sind prominente Industriekonzerne die von der EU Agrarsubventionen kassiert haben. Wer ist für Subventionen und wer dagegen und aus welchen Gründen? 


Sonntag, 31. Juli 2011


ein bug? bei fefe?

Montag, 28. Dezember 2009

Authorship Recognition

There is an interesting study going on here. Part of the results were presented at 26C3 today.

Basically:
It is easy to assign an arbitrary text to the correct author, if a sufficient amount of known text from the author exists ... probably bad for privacy
Fortunately, it seems to be as easy to obfascate your writing style or even imitates another's style. You can even help building a corpus which should be a basis for a semi-automated style obfuscation tool by participating here.